Glaubenssätze – Wie sie wirken und wie du mit ihnen arbeiten kannst

„Ich bin nicht gut genug“, „Ich kann das einfach nicht“ oder „Ich muss immer für andere da sein“? Kommen dir solche Gedanken bekannt vor? Und wenn du solche Gedanken kennst: Hältst du sie für wahr?

Gedanken wie diese nennt man in vielen spirituellen und esoterischen Strömungen, aber auch in einigen Bereichen der Psychotherapie und im Coaching „Glaubenssätze“.

Kurz gesagt, sind Glaubenssätze persönliche Annahmen, die wir für wahr halten – auch wenn sie es vielleicht gar nicht sind. So habe ich in meiner Kindheit und Jugend zum Beispiel lange Zeit geglaubt, dass das, was ich denke und fühle, nicht wichtig genug ist, als das ich es aussprechen sollte. Daraus folgte unweigerlich ein weiterer Glaubenssatz, der mich lange Zeit daran gehindert hat, das zu tun, was mir wirklich Freude macht: Schreiben. Der zweite Glaubenssatz ging so: Ich habe nichts von Wichtigkeit zu sagen, um etwas zu veröffentlichen, das andere gerne lesen würden.

Es gibt aber auch positive Glaubenssätze, die durchaus hilfreich für uns sein können, weil sie unterstützend wirken und (Selbst)vertrauen schenken: „Ich schaffe das schon“, „es ist immer jemand da“, oder wie die Kölner:innen sagen „et hätt noch immer jot jejange“. Solche positiven Glaubenssätze werden auch Affirmationen genannt.

Wie wirken Glaubenssätze?

Aus meinen kurzen Beispielen kannst du vielleicht schon ablesen, wie Glaubenssätze wirken: Sie bestärken uns darin, bestimmte Selbstbilder und Wertvorstellungen aufrecht zu erhalten – die uns entweder gut tun oder eben weniger gut tun. Und sie hindern uns unter Umständen daran, bestimmte Dinge zu tun – oder zu lassen. In einem Vortrag der Traumatherapeutin Dami Charf habe ich dazu einmal folgenden wichtigen Satz gehört: „Glaubenssätze erzeugen Realität“.

Was bedeutet das? Unsere Glaubenssätze bzw. unsere Glaubenssysteme bilden die Grundlage dafür, wie wir unsere Umgebung, Ereignisse, die uns widerfahren und das Verhalten anderer Menschen interpretieren. Darum geben uns Glaubenssätze auch ein Gefühl von Sicherheit, denn sie haben für uns eine Orientierungsfunktion.

Wenn ich nun aber noch einmal mein Negativ-Beispiel von weiter oben bemühe, wird klar, in welchem Teufelskreis ich mich bewegen kann, wenn ich meine negativen Glaubenssätze unbewusst für wahr halte, sie also meine Realität erzeugen lasse:

Ich war also damals der Meinung, nicht gut genug schreiben zu können und auch nichts Wichtiges zu sagen zu haben, um etwas Lesenswertes hervorzubringen. Diese innere Überzeugung kollidierte stark mit meinem Kindheitstraum, Autorin zu werden. Während der Schulzeit bewarb ich mich mutig um ein Redaktionspraktikum in einem großen Hamburger Verlag – und erhielt eine Absage. Dadurch bestätigte sich für mich meine Annahme, nicht gut genug schreiben zu können und ich folgerte daraus, dass ich nach dem Abi wohl lieber etwas anderes tun sollte. Fun Fact: Ich habe dann ein Bachelorstudium im Bereich Medienmanagement begonnen, das ich nicht nur einmal gerne abgebrochen hätte.

Was ich nach der Absage aus dem Verlag nicht mehr hörte, waren die vielen lobenden Worte von Freund:innen, Lehrer:innen und Familienmitgliedern, die mir immer wieder sagten, wie gut ich schreiben könne, und dass ich es doch unbedingt in diesem Bereich versuchen sollte. Die eine Absage wog also viel mehr, als all die Zusprüche, die ich bekam.

Wie kann so etwas sein? „Schuld“ ist die Art und Weise, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet. Denn Informationen, die mit dem eigenen Glaubenssystem in Übereinstimmung sind, werden präferiert wahrgenommen und behandelt. Unser Gehirn muss diese Informationen nur noch in ein bestehendes System einordnen – eine Ressourcen schonende Tätigkeit, die unserem Gehirn durchaus gelegen kommt, denn es ist gerne im Energiesparmodus unterwegs. Inkongruente Informationen zu verarbeiten braucht weitaus mehr Energie, denn es gibt keine oder wenige Verknüpfungen, an die diese Informationen „andocken“ können.

Neue Verknüpfungen bilden sich nur durch wiederholte, bewusste Erfahrungen.
Um einen unerwünschten Glaubenssatz also loszuwerden – oder ihn vielmehr zu ersetzen –, muss ich ihn mir darum zunächst einmal bewusst machen. Und dann muss ich mehrmals und bewusst die Erfahrung machen, dass genau das Gegenteil „stimmt“.

Wie kannst du negative Glaubenssätze erkennen?

Glaubenssätze kannst du oft an ihren Formulierungen erkennen, denn sie enthalten häufig eines dieser Verben: „müssen“, „können“, „dürfen“, „sein“ oder „sollen“. Zum Beispiel:

  • Man kann anderen Menschen einfach nicht vertrauen
  • Ich muss viel Geld haben, um abgesichert zu sein
  • Ich bin nicht flexibel genug, um zum Yoga zu gehen
  • Ich darf nicht glücklich sein

Auch Adverben, die etwas Absolutes ausdrücken, wie „nie“ oder „immer“, können darauf hindeuten, dass es sich bei einem Gedanken gerade um einen Glaubenssatz handelt:

  • Ich werde das nie schaffen!
  • Immer passiert mir sowas!
  • Jemand anderes kann es ohnehin besser als ich!

Und wie kann ich solche Glaubenssätze nun verändern? Eine kleine Übung

Um Glaubenssätze aufzulösen, musst du sie zunächst einmal kennen, sie dir also bewusst machen. Nimm dir zu Anfang also gerne ein paar Minuten Zeit und schreibe deine eigenen Glaubenssätze auf, die dir gerade in den Sinn kommen. Hierbei gibt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mit der Zeit werden dir sicherlich immer mehr Glaubenssätze ein- und auffallen. Vielleicht magst du zu jedem notierten Satz dann auch überlegen, inwiefern dich diese Annahme in deinem Leben bisher beeinflusst hat.

In einem nächsten Schritt wähle dir gerne einen der notierten Sätze aus und versuche nun in deinem Alltag zu beobachten, wann dieser Glaubenssatz aktiviert wird. Schaue dir an, wie du dich verhältst, sobald der Glaubenssatz greift.

Überlege dir nun ein positives Äquivalent für deinen negativen Glaubenssatz. Denkst du zum Beispiel, dass die Welt grundsätzlich gegen dich ist, dann versuche es mal mit einem Satz, der lauten könnte: „Ich habe schon viele nette Menschen getroffen und tue das auch weiterhin.“ Vielleicht geht der Satz auch so: „Ich treffe auf Menschen, die mir wohlgesonnen sind.“ Die Formulierung kannst du frei wählen. Achte nur darauf, dass der Satz positiv formuliert ist, also keine Verneinungen oder Beschränkungen enthält und in der Gegenwart steht – so, als habe sich die Aussage bereits erfüllt.

Halte von da an täglich aktiv die Augen auf für Ereignisse und Situationen, die den neuen, positiven Glaubenssatz bestätigen. Und gib dir Zeit. Es braucht, wie gesagt, mehrere bewusste Erfahrungen, bevor sich eine neue Verknüpfung im Gehirn bilden kann. Es kann also eine Weile dauern, bis der neue Glaubenssatz fest in deinem System verankert ist. Bleibe im besten Falle offen und versuche immer wieder in eine Grundhaltung zu kommen, die lauten könnte: Wer Gutes erwartet, dem wird Gutes widerfahren.


In meinem Fall war es übrigens das Feedback meines Professors in Kreatives Schreiben, das mich dazu gebracht hat, meinen negativen Glaubenssatz noch einmal zu überdenken und ihm inzwischen – einige Entwicklungsschritte und weitere lobende Worte später – nur noch selten Glauben zu schenken.

Welche Glaubenssätze bewegen dich? Und wie gehst du mit ihnen um?


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3 Antworten zu „Glaubenssätze – Wie sie wirken und wie du mit ihnen arbeiten kannst”.

  1. […] wunderbare positive Erfahrung, trägt zu meinem inneren Gefühl und positiven Glaubenssätzen bei, welche mir wiederum in herausfordernden Zeiten ganz besonders zur Seite stehen. Es trägt […]

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  2. […] hinaus zeigt uns der Blick in die Vergangenheit noch weit mehr, denn es treten automatisch auch Glaubenssätze hervor, die uns bisher angetrieben oder aber ausgebremst […]

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  3. […] ist, was ich wirklich brauche – Geld, Karriere, Kinder. Ich muss also einerseits meine eigenen Glaubenssätze prüfen und mich andererseits mit Dingen auseinandersetzen, die ich im Alltag vielleicht gerne […]

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